Coronavirus

Interpretation eines Weisen

Während wir nachdenken, spielt Gott auf seiner Flöte. Ein schöner und tröstlicher Gedanke.

Gerade in Coronazeiten wird viel über unser Leben nachgedacht. Und das sollten wir auch tun. Die Erde ist keine Scheibe.
Das ist nur ein kleiner Teil eines Weisen. Aus den Büchern: „Die ewigen Geschichten Gottes“ (Śrīmad Bhāgavatam)

Vers 13

Während er einmal auf diese Weise umherwanderte, sah er auf der Südseite des Himalaya – Gebirges, in einem Gebiet namens Bhārata – varṣ (Indien), eine Stadt, die insgesamt neun Tore hatte und alle glückverheißenden Einrichtungen aufwies. 

Deutung 

Der Landstrich südlich des Himalaya – Gebirges ist das Land Indien, das als Bhārata – varṣa bekannt war. Wenn ein Lebewesen in Bhārata – varṣa geboren wird, gilt es als am meisten vom Glück begünstigt. In der Tat, Caitanya Mahāprabhu sagte: Jeder also, der im Land Bhārata – varṣa geboren wird, bekommt alle Möglichkeiten des Lebens. Er kann alle diese Möglichkeiten entweder für materiellen oder für spirituellen Fortschritt nutzen und so sein Leben zum Erfolg führen. Nachdem man das Ziel des Lebens erreicht hat, sollte man sein Wissen und seine Erfahrung auf der ganzen Welt für humanitäre Zwecke verbreiten. Mit anderen Worten, wer im Land Bhārata – varṣ aufgrund seiner vergangenen frommen Werke geboren wird, bekommt alle Möglichkeiten, die menschliche Lebensform zu entfalten: In Indien sind die klimatischen Bedingungen dergestalt, dass man sehr friedlich leben kann, ohne durch materielle Bedingungen gestört zu sein. In der Tat, während der Zeit Mahārāja Yudhiṣṭhiras oder Śrī Rāmacandras waren die Menschen frei von allen Sorgen. Es gab weder außerordentliche Kälte noch außerordentliche Hitze. Die drei Arten leidvoller Bedingungen  – adhyātmika, adhibhautika und adhidaivika (Leiden, die durch den Körper und den Geist entstehen, solche die durch andere Lebewesen entstehen und Störungen durch die Natur) – gab es während der Regierungszeit Śrī Rāmacandras oder Mahārāja Yudhiṣṭhiras nicht. Heutzutage ist Indien, verglichen mit anderen Ländern auf der Erde, auf unnatürliche Weise gestört. Trotz dieser materiellen Störungen ist die Kultur des Landes jedoch immer noch so geartet, dass man leicht das Ziel des Lebens, nämlich Erlösung oder Befreiung aus der materiellen Knechtschaft, erreichen kann. Um also in Indien geboren zu werden, muss man in einem vergangenen Leben viele fromme Werke vollbracht haben. 

In diesem Vers deutet das Wort lakṣita – lakṣaṇām darauf hin, dass der menschliche Körper, den man in Bhārata – varṣa bekommt, sehr glückverheißend ist. Vedische Kultur bedeutet vollkommenes Wissen, und ein Mensch, der in Indien geboren wurde, kann das Wissen der vedischen Kultur und die als varṇāśrama dharma bekannte kulturelle Einrichtung voll nutzen. Auf unseren Reisen über die ganze Erde sehen wir, dass die Menschen in manchen Ländern viele materielle Möglichkeiten, aber keine Möglichkeiten für spirituellen Fortschritt haben. Wir finden überall die Schwächen einseitiger Möglichkeiten und einen Mangel an vollständigen Möglichkeiten. Ein Blinder kann gehen, aber nicht sehen, und ein Lahmer kann sehen, aber nicht gehen. Der Blinde kann den Lahmen auf seine Schultern nehmen, und während er geht, kann ihm der Lahme Anweisungen geben. So miteinander verbunden, können sie handeln; doch auf sich selbst gestellt, kann weder der Blinde noch der Lahme erfolgreich sein. Ähnlich ist die menschliche Form des Lebens dafür bestimmt, im spirituellen Leben fortzuschreiten und die materiellen Bedürfnisse in rechter Weise zu erfüllen. Besonders in den westlichen Ländern gibt es ausreichende Möglichkeiten für materielle Annehmlichkeiten, doch niemand weiß etwas von spirituellem Fortschritt. Viele Menschen suchen nach spirituellem Fortschritt, doch dann fallen sie auf Betrüger herein, die ihnen ihr Geld abnehmen, sie täuschen und fortgehen. Glücklicherweise gibt es die Bewegung für Kṛṣṇā – Bewusstsein, die alle Möglichkeiten für sowohl materiellen als auch spirituellen Fortschritt bietet. Auf diese Weise können die Menschen in den westlichen Ländern diese Bewegung nutzen. In Indien kann noch immer jeder auf den Dörfern, die von den Industriestädten Indiens unberührt sind, in bescheidenen Verhältnissen leben und spirituellen Fortschritt machen. Der Körper wird als Stadt mit neun Toren bezeichnet, und zu diesen neun Toren gehören die beiden Augen, die beiden Ohren, die beiden Nasenöffnungen, der Mund, das Genital und der After. Wenn die neun Tore sauber sind und richtig arbeiten, sagt man, der Körper sei gesund. In Indien werden diese neun Tore von den Dorfbewohnern saubergehalten, die früh aufstehen, in einem Teich oder Fluss baden, zum Tempel gehen, um an der maṇgala – ārati teilzunehmen, den Hare – Kṛṣṇā – mahā – Mantra chanten und prasāda zu sich nehmen. Auf diese Weise kann man alle Möglichkeiten des menschlichen Lebens nutzen. Wir führen dieses System in unserer Gesellschaft in den westlichen Ländern in verschiedenen Zentren ein. Jemand, der es nutzt, wird im spirituellen Leben immer mehr erleuchtet. Gegenwärtig kann Indien mit einem Lahmen und die westlichen Länder mit einem Blinden verglichen werden. In den letzten zweitausend Jahren stand Indien unter fremder Herrschaft, und daher sind die Beine des Fortschritts gebrochen. In den westlichen Ländern sind die Augen der Menschen aufgrund des gleißenden Geflimmers materiellen Reichtums erblindet. Der Blinde der westlichen Länder und der Lahme Indiens sollten sich in der Bewegung für Kṛṣṇābewusstsein zusammentun. Dann kann der Lahme Indiens mit der Hilfe des westlichen Menschen gehen, und der blinde Westländer kann mit der Hilfe des Lahmen sehen. Kurz gesagt, der materielle Fortschritt des Westens und das spirituelle Wissen Indiens sollten sich verbinden, um die gesamte menschliche Gesellschaft auf eine höhere Ebene zu führen.