Coronavirus

Die Krise und die Solidarität

Die Krise und die Marktwirtschaft

Die Corona-Krise ist nicht die erste Krise und wird nicht die Letzte sein. Sind die Regierungen auf diese Krisen vorbereitet, so wie es ein verantwortungsvoller Vater oder eine pflichtbewusste Mutter sein würde?

Nein!

Wie aufgescheuchte Hühner rennen sie hin und her und tun ihr Bestes, oder sie versuchen es.

Wäre es nicht an der Zeit darüber nachzudenken, wie wir in Zukunft mit Krisen umgehen?

Es gibt verschiedene Arten von Krisen. Solche, die die ganze Welt betreffen, wie diese, die durch den Corona-Virus entstanden ist.

Es gibt nationale Notlagen, regionale und persönliche Zwangslagen. Und persönlich sind sie alle. Menschen kommen aus dem oder aus anderen Gründen in eine Notsituation. 

Da wir in einer von Egos dominierten Gesellschaft sind, ist eine Notlage immer nur dann wichtig, wenn sie uns selbst betrifft. Der andere soll sehen, wo er bleibt. Das ist zu kurz gedacht. Dies können wir von der Corona-Krise lernen. An dieser Pandemie erkennen wir, dass die Probleme der anderen auch unsere sind. Und dass wir sie nur gemeinsam lösen können. Oder eben nur gemeinsam verhindern können. Oder gemeinsam vorbereitet sein könnten, auf die nächste Krise.

Der Covid 19 Virus ist sehr aggressiv, auch wenn viele den Virus verharmlosen. Natürlich müssen wir alle irgendwann sterben. Manche sagen, dass im Straßenverkehr viele Menschen tödlich verunglücken, und dass wir trotzdem das Auto nicht verbieten. Nur kann man den Virus nicht verbieten.

Jeder fürchtet sich vor einem Bienenstich, der sehr schmerzhaft sein kann. Aber nur diejenigen, die auf Bienengift allergisch reagieren und an einem anaphylaktischen Schock sterben können, bekommen panische Zustände, wenn sich ihnen eine Biene nähert. Und eine Biene kann man sehen und hören. Einen Virus nicht. Und für viele Menschen, von Krankheiten oder vom Alter geschwächt, könnte eine Infektion zum Tode führen. 

Man kann verhindern, dass man von einem Bus überfahren wird oder von einer Leiter stürzt. Auch wenn man sich bewegt und sich mit anderen Menschen umgibt. Der Virus aber ist heimtückisch und löst deshalb Panik aus.

Die Angst vor dem Tod steht an erster Stelle. Auch bei anderen Krisen, wie bei Unwettern oder bei Krieg. Aber gleich danach kommen die Menschen in eine existenzielle Notlage, weil sie ihre Arbeit verlieren und keine Einnahmen mehr haben. 

Gegen Unwetter und neue Viren können wir nichts tun. Den finanziellen Absturz der Menschen könnten wir aber verhindern. Das geht aber nur gemeinsam und solidarisch.

Die Marktwirtschaft

Die freie Marktwirtschaft kann man nicht verhindern. Denn wir können nicht vermeiden, dass jemand Kartoffeln gegen Bananen eintauscht. Und warum sollten wir das auch unterbinden wollen. 

Ludwig Erhard etablierte die soziale Marktwirtschaft, die von Willi Brandt weiterentwickelt wurde. Aber sie ist auch an ihre Grenzen gekommen. Ständig gibt es Konflikte zwischen Rechts und Links, zwischen Arm und Reich, weil die Angst vor dem finanziellen Absturz ständig wie ein Fallbeil über uns schwebt. Und das auch bei den Reichen. Noch vor 50 Jahren konnten Millionäre gut schlafen. Heutzutage müssen auch sie ständig auf der Hut sein. Die Banken warten nur darauf, dass sie stolpern, um dann ohne Skrupel zuzuschlagen. Ändern können wir dies nur solidarisch. Nur gemeinsam können wir alle absichern. Ich möchte hier die Banker nicht als die Bösen darstellen. Sie sind auch nur Teil dieses Systems.

Die solidarische Marktwirtschaft

Die Basis einer solidarischen Marktwirtschaft ist die finanzielle Sicherheit für alle. Es darf nicht sein, dass Schicksalsschläge die Menschen in den Ruin treiben. Auch müssen wir weg von dem Gedanken, dass die Starken alles erreichen können und die Schwachen nichts. Jeder hat ein Recht auf ein würdevolles Leben. Egal ob er viel oder weniger leistet. Die Leistungsgesellschaft zwingt die Menschen dazu, die Ellenbogen einzusetzen, wenn sie etwas erreichen wollen. Dies hat zur Folge, dass die Skrupellosen gewinnen und die Rücksichtsvollen verlieren. Skrupellosigkeit ist keine Stärke. Skrupellosigkeit ist Charakterlosigkeit. 

Die Schwachen werden vom fahrenden Zug gestoßen und vom darauffolgenden Zug überrollt. 

Wichtig ist, dass wir den Druck vermindern.

Beispiel:

Arbeitslosigkeit: (solidarisch)

Warum gibt es keine Warteliste für Arbeitslose? Jeder, der arbeitslos wird, wird automatisch vom Arbeitgeber beim Arbeitsamt gemeldet. Unternehmer müssen neue Angestellte beim Arbeitsamt anfordern. Wenn ein Arbeitgeber einen Schreiner benötigt, dann bekommt er den Schreiner, der auf Nummer 1 der Warteliste für Schreiner steht. Der Unternehmer zahlt den Mindestnettolohn. Der Schreiner bekommt eine Probezeit von einem Monat. Wenn der Arbeitgeber nicht zufrieden ist, kann er ihn wieder entlassen. Und der Arbeitnehmer kommt wieder auf die Warteliste.

Möchte ein Unternehmer einen bestimmten Mitarbeiter einstellen, weil er besondere Fähigkeiten besitzt, oder vielleicht auch aus persönlichen Gründen. Dann kann er auch das tun. Muss dann aber mehr zahlen, z.B. 20% auf den Mindestnettolohn.

Der Arbeitnehmer muss keinen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen. Er erhält automatisch sein Arbeitslosengeld. Und zwar alle bekommen den gleichen Betrag. Warum soll derjenige mehr Arbeitslosengeld bekommen, der sowieso schon viel mehr verdient, weil er in einer intakten Familie groß geworden ist, studieren konnte, einfach mehr Glück hatte als derjenige, der in einer problematischen Familie hineingeboren wurde und deshalb nicht studieren konnte. Alle erhalten den gleichen Betrag fürs Nicht-Arbeiten. Ist das Nichtstun des Reichen denn mehr wert als das Nichtstun des Armen? Der Besserverdienende kann ja auch etwas ansparen für Notfälle, wenn er möchte. Das gleiche Arbeitslosengeld würden auch die Rentner erhalten. Er bekäme auch eine solidarische Rente. Auch hier gilt das gleiche, wie bei den Arbeitslosen. Alle erhalten die gleiche Rente.

Jetzt müsste der Arbeitslose nicht mehr wie ein Irrer herumlaufen, um sich einen Job zu suchen, und seine Ellenbogen einsetzen. Die Skrupellosen finden so schneller wieder eine Arbeit als die Rücksichtsvollen.

Der Arbeitslose könnte die Zeit nutzen, um sich um seine Familie zu kümmern. Er könnte mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen, seine Wohnung streichen oder sein Auto reparieren. Oder ganz einfach Kraft sammeln für seinen nächsten Job, bis er vom Arbeitsamt angerufen wird. 

Verweigert er den Job, erhält er etwas weniger Geld, und muss wieder hinten anstehen.

So würde man Langzeitarbeitslosigkeit verhindern. Jeder erhielte automatisch wieder eine Chance auf einen festen Arbeitsplatz.

Beispiel: 

Solidarische Miete:

Eine Krise, egal, ob es sich um eine persönliche, regionale oder weltweite Notlage handelt, kann die Menschen schnell in den Abgrund stürzen. Sie können für eine gewisse Zeit ihre Miete nicht zahlen. Der Schuldenberg wird immer größer, sie verlieren ihre Wohnung und manchmal auch noch ihre Familie oder ihre Gesundheit.

Dabei spielt es keine Rolle, ob sie die Notlage selbst verursacht haben oder nicht. 

Aber auch wenn man selbst die Notlage verursacht hat, ist das kein Grund den Menschen auszugliedern und ihn nicht mehr am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen. 

Hat man als Mensch nicht das Recht schwach zu sein? Gibt es für Schwache keinen Platz in unserer Gesellschaft? 

Eine Krankheit oder ein Schicksalsschlag kann einem Menschen die Kraft nehmen, um sich in dieser Ellbogengesellschaft behaupten zu können. Der Fall nach unten findet immer schneller statt, als ein beschwerlicher Aufstieg. 

Menschen sind lebendige Wesen mit Körper, Geist und Seele. Sie sind keine Bankkonten oder Produktionsmittel. Deshalb sollten wir die Menschen auch wie Menschen behandeln. Und zwar mit Barmherzigkeit. Und nicht mit Neid und Gier.

Es gibt immer tausend Gründe, den falschen Weg einzuschlagen. Aber es gibt nur einen Grund für den richtigen Weg. Die Liebe.

Und richtig ist es, wenn man die Menschen nicht auf die Straße wirft, weil sie ihre Miete nicht zahlen können. Andererseits hat der Vermieter ein Recht auf seine Miete. Das muss aber hinten anstehen.

Solidarität bedeutet, eine Regelung zu finden, die beiden gerecht wird. Dem Mieter und dem Vermieter. Liebe ist, an den anderen zu denken und nicht an sich selbst. So ist es auch mit der Solidarität. Es ist ein anderes Bewusstsein. Ein Bewusstsein, indem mir der andere wichtig ist. Egal, ob er nun der Mieter oder der Vermieter ist.

So könnte die solidarische Miete funktionieren:

Alle Mieten werden in einen Fond oder ein Sammelkonto eingezahlt. 

Angenommen 5% der Mieter können ihre Miete nicht zahlen, und es würden nur 95% der Mietsumme eingezahlt. Dann erhält jeder Vermieter 95% seiner Miete. Wenn die Miete beispielsweise 1000 € beträgt, dann würde er nur 950 € erhalten.

Im Gegenzug würde die Miete auf der Lohnsteuerkarte eingetragen und automatisch vom Gehalt abgezogen. Hat jemand Einkommen, wird automatisch die Miete gezahlt. Erreicht die Politik, dass jeder ein ausreichend großes Einkommen erhält, dann würden auch alle Mieten gezahlt.

Man könnte Obergrenzen einfügen für eine Mietgarantie.

Aber das sind alles Details, die demokratisch entschieden werden könnten.

Kommt ein Mensch oder auch viele in eine Notlage, müsste er bei diesem Modell seine Wohnung nicht verlassen, und die Vermieter erhielten zumindest einen großen Teil ihrer Miete.

Das Grundgesetz «Eigentum verpflichtet» bekommt auf einmal einen Sinn.

Der solidarische Kredit

Bei den Krediten wäre es ähnlich wie bei den Mieten. Alle monatlichen Raten würden in einen Topf eingezahlt und die Banken erhalten den prozentualen Anteil. 

Wenn z.B. 95% der Raten bezahlt wurden, erhält die Bank 95% der zu bezahlenden Rate. Bei einer Rate von 1000 € wären das 950 €.

Allerdings werden die noch nicht gezahlten Raten hinten angehängt. Sodass die Bank immer den ganzen Betrag zurückerhält.

Wie bei den Mieten würden auch die Tilgungsraten auf die Lohnsteuerkarte eingetragen und automatisch überwiesen.

Bis zu einer bestimmten Summe würden die Tilgungsraten garantiert. Dies müsste demokratisch festgelegt werden. 

Als Beispiel:

Bei einem Mindestarbeitslosengeld von 1500 € könnte man eine Miete von 500 € und eine Tilgungsrate von 300 € garantieren. ⅓ des Lohnes für die Miete und 1/5 für eventuelle Tilgungsraten. Bei einem Nettolohn von 3000 € würde eine Miete von 1000 € und eine Tilgungsrate von 600 € garantiert. Bei Arbeitslosigkeit würden dann jeweils nur die Hälfte der Miete und der Tilgungsrate in die solidarischen Töpfe eingezahlt.

Die Kredite würden bei diesem Model anders berechnet. Die Banken berechnen keine Zinsen, sondern Gebühren.

Bei einem Kredit von 1000 € verlangt die Bank beispielsweise 12 Raten je 100 €. Kann eine Rate, wegen einer persönlichen oder nationalen Krise, nicht gezahlt werden, wird sie später automatisch gezahlt, wenn es dem Kreditnehmer wieder möglich ist. Es gibt keine Zinseszinsen.

Alle Kredite werden solidarisch abgesichert. Dafür dürfen keine Wohnungen oder Einfamilienhäuser zur Absicherung der Kredite eingesetzt werden. Das gleiche gilt natürlich auch für Unternehmen.

Es ist ungerecht, wenn ein Unternehmen, dass viele Jahre zahlreiche Arbeitsstellen zur Verfügung gestellt hat, Steuern gezahlt hat, wegen einer Krise, auch wenn sie selbst verschuldet sein sollte, in die Insolvenz geht und den Banken zum Fraß vor die Füße geworfen wird.

Auch in so einem Fall würden die Mindestnettolöhne garantiert, auch für den Unternehmer. Die Mieten des Unternehmens würden so behandelt wie die Mieten von Privatpersonen und die Banken müssten warten bis das Unternehmen wieder genügend Gewinne macht. Auch die Tilgungsraten des Unternehmens würden hinten angehängt. 

Für die Banken gelten natürlich die gleichen Regeln. Sie sind ja auch Unternehmen.

Es gäbe bei diesem solidarischen Modell viele Einzelheiten zu besprechen. Das wäre die Aufgabe des Parlaments.

Der Zeitfaktor würde bei einer Notlage außer Kraft gesetzt oder gedehnt. Man würde den Menschen, egal ob Unternehmer oder Arbeitnehmer, den Druck verringern. Die Menschen könnten in Ruhe kreativ sein. Was der Gesellschaft zu Gute käme. Und es wäre gerechter als jetzt.

Das bedingungslose Grundeinkommen

Angenommen alle Deutsche bekämen jetzt ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dann wäre die Krise für alle Menschen viel erträglicher. Niemand müsste befürchten, unter einer Brücke zu landen. Und die Banken gingen auf Standby-Modus. Dann könnten auch die Unternehmer in aller Ruhe abwarten, bis die Notlage vorüber ist. Die Wirtschaft würde einfach nur einen kleinen Winterschlaf abhalten, und würde an dem Punkt weitermachen, wo sie am Anfang der Krise gestoppt wurde.

Man könnte viel gründlicher gegen den Virus vorgehen. Denn es gäbe keinen Zeitdruck, außer dem, den wir uns selbst auferlegen.

Das wäre gelebte Solidarität.

Ein wunderschöner Gedanke.

Es gäbe weniger Selbstmorde.

Weniger Depressionen.

Mehr Frieden. Mehr Harmonie unter den Menschen.

Weniger Konflikte.

Das wäre dann ein wirklicher Fortschritt.

Die Millionäre könnten trotzdem weiter Millionäre bleiben, und mit ihrem Sportwagen ins nächste Restaurant fahren. Und die Schwachen oder Geschwächten könnten ohne Probleme in den Supermarkt gehen, um das Nötigste einzukaufen und auch ein bisschen mehr.

Wir bräuchten keine Rente und kein Arbeitslosengeld mehr. Kein lästiges Ausfüllen von meterlangen Antragsformularen.

Mehr Leben und Erleben für alle.

Mehr Zeit für die Kinder und für die Alten.

Ein wunderschöner Gedanke.

Wir sind in der Lage über Mobiltelefone Videogespräche zu führen. Warum sollten wir denn nicht in der Lage sein, mehr Solidarität zu leben. Das würde unsere Lebensqualität erheblich steigern.

Danke dem Virus.

Er gibt uns die Möglichkeit über all dies nachzudenken.