Coronavirus

Der alte Charme eines Fischerdorfs

Corralejo menschenleer

Positiv denken sollte man. Das sagt man denjenigen, die unter einer Depression leiden. Dies fällt vielen sehr schwer, weil sie sich vom Virus bedroht fühlen. Er könnte jeden Moment und an jeder Stelle zuschlagen. 

Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt. Erwachsene Menschen haben Hausarrest. Der Strand in Sichtweite. Das Wetter ist fantastisch. Nur ein schwacher Luftzug. Ideal, um ein Strandbad zu nehmen. 

Baden ist verboten, weil wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben, oder weil wir frech waren. Wir fühlen uns behandelt wie kleine Kinder, die etwas ausgefressen haben. Damit kommen die meisten Egos nicht zurecht.

Und dann kommt ein Klugschwätzer und meint, man solle positiv denken. Es gäbe immer etwas Positives. «Es gibt nichts Schlechtes, was nicht auch etwas Positives mit sich bringt.»

Blöde Sprüche für Egos, die sich eingeschlossen fühlen. Dann ist der Gegner auch noch unsichtbar. Man kann ihn nicht schlagen, man kann ihn nicht anbrüllen. 

Sichtbar ist nur die Guardia Civil in ihren Uniformen aber jetzt mit Masken. An jeder Ecke stehen sie rum und passen auf, dass wir nicht baden gehen.

Und die sollte man besser nicht angreifen. Dann gibts was aufs Auge.

Der Dorfstrand von Corralejo

Die Natur ist ein Geschenk Gottes. An uns. Und auf den Kanaren lächelt sie uns an. Sie ist verführerisch wie eine wunderschöne Frau. Die Natur ist unser Zufluchtsort. Dort hält Gott, unser Vater, immer ein Zimmer für uns bereit. Hier können wir für einen Moment abschalten. Hier können wir uns von dem täglichen Stress distanzieren, um Kraft zu tanken. Die Natur ist für uns da.

Der Hafen mit der Insel Lobos im Hintergrund

Trotzdem entfaltet sie ihre Schönheit besser, wenn sich keine oder nicht zu viele Menschen in ihr befinden. Ein überfüllter Strand oder ein stark frequentierter Wanderweg kann auch wieder Stress machen. Wir lassen respektlos unseren Müll zurück, der die Schönheit überdeckt. Und der Gestank vertreibt uns sogar. Zumindest die meisten von uns.

Kein Konsum, kein Lärm, kein Müll

So ist es auch mit dem Charme alter Fischerdörfer. Man erkennt ihn nicht so richtig, wenn die Promenade, der Hafen, die Hauptstraße und der Strand mit Touristen überfüllt ist. 

Der Virus hat die Touristen weggefegt, wie trockenes Laub. Flut und Ebbe beseitigen die Fußspuren und auch den Müll am Strand. Die Natur macht mal eine Pause, von den Menschen. Mal tief durchatmen. Das war zu viel des Guten. Schwimmen ja, Baden ja, Sonne tanken ja, aber diesen Müll und vor allem diesen Lärm tagein tagaus. Das war auch ihr zu viel. So gönnt Gott ihr eine Pause, von den Menschen. Und wir haben nichts Besseres zu tun, als uns zu ärgern darüber, wie trotzige Teenager.

Wir sehen uns am 11 Mai
Der alte Charme

Vielleicht sollten auch wir der Natur diese Pause gönnen. Wir wissen ja, wie anstrengend wir sein können. Sogar unsere Eltern sind froh, wenn wir das Weite suchen. Und unsere Partner stellen uns den Koffer vor die Tür. Da kann man sie, die Natur, ganz gut verstehen.

Ständig sind wir auf einem Egotrip. Wollen mehr und mehr und immer mehr. Wir vergessen sogar, wo wir hergekommen sind. Schon kurz nach unserer Geburt schreien wir rum. Mit ausgestreckter Brust brüllen wir: «Hier bin ich. Wo ist die Brust. Und schnell bitte.»

Vielleicht sollten wir auch mal Pause machen? Von uns selbst?

Unseren Mund halten und einfach nur schauen. Bis wir die Seele der Natur und der Menschen wahrnehmen. Wenn dies passiert, dann berührt sie unser Herz. Und wir vergessen für einen Moment alles, was uns bedrückt.